Verstärkte Sicherheitskontrollen bei Flügen in die USA

Artikel vom 29. Dezember 2009

Momentan über den großen Teich in die USA zu fliegen ist ein Erlebnis der besonderen Art. Der versuchte Terroranschlag zu Weihnachten auf ein Flugzeug der Northwest Airlines hat einiges verändert. Fluggäste sollten sich vor dem Abflug in Geduld üben, auf Leibesvisitationen einstellen und leider – wie in unserem Fall – auch auf sehr rüde und unhöfliche Befragungen.
Um es vorweg klar zu benennen. Sicherheitschecks müssen sein und sollten auch streng durchgeführt werden. Es sollte jedoch eine gewisse Art der Höflichkeit im Umgang mit Menschen gewahrt bleiben.
Wie war es nun bei uns? Am gestrigen Sonntag sind wir von München aus zuerst nach Amsterdam geflogen. Eigentlich wie immer wurde das Handgepäck intensiv geprüft. Da wir die beiden Fernsehkameras immer bei uns führen, stehen diese dabei natürlich im Mittelpunkt. Wohl auf Grund der aktuellen Ereignisse wurden die beiden Kameras gesondert auf Sprengstoff untersucht. So weit, so gut und auch völlig in Ordnung.
Anders die Erlebnisse auf dem Amsterdamer Flughafen. Der Check in direkt am Abfluggate dauerte geschlagene drei Stunden. Unser Flug NW 241 nach Minneapolis startete mit einer Verzögerung von 119 Minuten. Alle Passagiere wurden einzeln (Familien zusammen) einer intensiven Befragung unterzogen. Vielleicht sollte man eher sagen ausgesetzt. Die niederländischen Sicherheitsleute schienen der Lage nicht gewachsen zu sein. Sie wirkten zumindest überfordert, was sich in einem zum Teil sehr rüden und aggressiven Umgangston ausdrückte. Wir mussten Fragen beispielsweise zu Reiseziel und -grund beantworten, welches Gepäck man dabei habe und wer dieses zusammen gestellt habe. Problematisch wurde es, als wir die Frage, ob wir innerhalb der letzten sieben Tage etwas geschenkt bekommen hätten, mit einem deutlichen Ja beantworteten, schließlich sei ja Weihnachten gewesen. Dies führte zu einer Irritation, wohl auch, weil ich wahrheitsgemäß angab, einige dieser Geschenk (z.B. ein paar Kekse) bei mir zu führen.

Für richtig schlechte Stimmung sorgte schließlich die Tatsache, dass sich in unseren Reisepässen Visa des Landes Oman befanden. Dies sein doch ein arabisches Land und damit per se sehr verdächtig. Allerdings wusste unser Befrager nicht, wo eigentlich der Staat Oman wirklich liegt und was es mit diesem auf sich hat. Andreas und ich waren nun verdächtig. Schließlich haben wir dort mehr als drei Wochen in diesem Jahr verbracht. Erst als wir nachweisen konnten, dass wir in diesem Land zu Fernsehaufnahmen weilten und mit Hilfe einer eigens gezeichneten Landkarte klären konnten, wo sich der Oman befindet und es sich dabei nicht um den Nachbarstaat Jemen handelt, wurde die Stimmung etwas angenehmer. Wir durften jedoch noch immer nicht ins Flugzeug einsteigen. Unser Sicherheitsmann zog sich samt unserer Reisepässe sowie der Flugtickets für unsere fortführenden Flüge nach unserem USA-Aufenthalt zu Gesprächen mit anderen Sicherheitsleuten zurück. Wir durften warten und kamen uns vor wie bei einem Verhör. Es folgten dann noch so unsinnige Frage wie jene, warum Andreas weniger reden würde als ich und warum wir als Team die technische Ausrüstung gepackt hätten. Dies sein doch auch sehr verdächtig. Nun gut, dieses Erlebnis dauerte rund 15 Minuten, andere Fluggäste wurden deutlich länger verhört. Für alle folgte anschließend eine erneute Untersuchung des Handgepäcks. Ich wurde zusätzlich einer Leibesvisitation inklusive Abtasten der Geschlechtszone unterzogen…

Es ist nicht die Tatsache, dass Fragen gestellt werden, dass Sicherheitschecks durchgeführt werden, die mich ärgert. Sondern die Art und Weise, wie der Umgang in Amsterdam erfolgte. Dieser war von Unhöflichkeit, Aggressivität und rüde Anreden gezeichnet. Ein Fluggast ist per se nicht automatisch ein Schwerverbrecher und sollte deshalb auch respektiert werden. Mir kam es so vor, als hätten die Sicherheitsleute ein paar einschlägige Filme zu viel gesehen und sie sich zum Vorbild genommen.

Vom Flug nach Minneapolis selbst bleibt noch zu berichten, dass allen Fluggästen in den letzten 60 Minuten vor der Landung verboten wurde, sich von ihren Sitzen zu entfernen. Die Toiletten wurden geschlossen, jeder musste sich anschnallen. Decken, Kissen oder Jacken durften nicht auf den Beinen abgelegt werden. Diese mussten frei sichtbar sein.

Bei unserem Weiterflug nach Anchorage galt diese Regel übrigens nicht mehr. Wohl weil dies ein Inlandsflug war.

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