Artikel vom 9. September 2011
Es ist unglaublich, wie dicht und intensiv diese Filmreise ist. Es sind die Menschen, die wir treffen, die diese Reise (und damit auch den Film) zu einer ganz besonderen machen. Sie geben uns mehr an Geschichten, als wir je erwartet haben.Russland ist in einem Transformationsprozess. Wirtschaftlich wie gesellschaftlich. Die Globalisierung hinterlässt auch in dem größten Land der Erde deutliche Spuren, die mitunter sehr schmerzhaft sind.
Da ist die Stadt Togliatti mit dem Ladawerk. Noch 2009 haben dort 102.000 Menschen Autos hergestellt. Dann schlug die internationale Finanzkrise mit aller Härte zu. Das Werk drohte in der Versenkung zu verschwinden. Zu alt und unattraktiv die Produkte. Gigantisch die Schulden. Über 35.000 Arbeiter wurden entlassen. Sozialeinrichtungen wie Kindergärten, Erholungsheime und medizinische Abteilungen wurden abgestoßen. Die Jungen verlassen die Region, ziehen nach Moskau und St. Petersburg, hoffen dort auf eine aussichtsreiche Zukunft. Für die Stadt an der Wolga, die ganz auf den Automobilproduzenten ausgerichtet ist, fast ausschließlich von diesem lebt, war und ist dies ein enormer Schock, der auf lange Sicht noch wirken wird.
Die russische Staatsregierung versucht nun mit aller Macht diesen Zustand zu verändern. Ein Hightech-Park ist kurz vor der Vollendung, eine Sonderwirtschaftszone (mit Zollfreiheit und extrem niedrige Steuersätze) soll Investoren aus der ganzen Welt anlocken. Und Lada bringt (u.a. mit Hilfe von Renault) neue Modelle auf den Markt, die auf die Wünsche des russischen Kunden zugeschnitten sind.
Die Menschen erzählen uns darüber. Leute wie der Ladapräsident Komarov, einfache Arbeiter, Umweltschützer, Künstler, Akademiker. Niemanden scheint die Entwicklung kalt zu lassen. Aber nicht nur in Togliatti ist das so.
Es bleibt spannend. Tag für Tag, oft auch Stunde für Stunde.
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Artikel vom 3. September 2011
Inzwischen habe wir Astrachan und das Wolgadelta verlassen, sind gen Togliatti aufgebrochen. Aber es bleibt von einigen Dingen zu berichten. Da ist der Tataren-Basar mitten in der Stadt. Wir hatten ihn ursprünglich gar nicht im Visier. Doch der Zufall hat es so gewollt. An einem der Abende trafen wir in unserem Hotel Professor Carlo Zaccagnin. Er hat sein Leben den Lebensformen und –umständen der letzten 4000 gewidmet, ist deshalb derzeit auf einem Streifzug durch das südliche Russland und den angrenzenden Staaten auf der anderen Seite des Kaukasus. Der alt-ehrwürdige Gelehrte aus Rom berichtete uns von seinem Besuch auf eben jenem Tartaren-Basar. Wir sollten früh morgens dort drehen. Da sei zwar noch nicht viel los, einige Stände in der Halle auch noch gar nicht besetzt. Wie jedoch die Metzger und die Frauen der Fischer ihre Ware für den Verkauf herrichten würden, dies habe ihm sehr gefallen und sei sicherlich auch gut mit der TV-Kamera einzufangen.
So, wie der leidenschaftliche Professore es uns erzählt hat, so ist es auch kommen.
Später am Tag haben waren wir schließlich noch einmal im Wolgadelta unterwegs. Nicht die Wasserwege waren unser Ziel, sondern die Inseln. Denn dort werden auf besten Boden vor allem Tomaten und Wassermelonen angebaut. Mit großen Erfolgen. Selbst in den entfernten Städten Moskau und St. Petersbug schwärmt man von diesen Produkten aus der Astrachaner Gegend.
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Artikel vom 30. August 2011
Es ist richtig sommerlich in Astrachan. Kaum ein Wölkchen am Himmel, Temperaturen um die 34 Grad. Gut für die Dreharbeiten. Die haben uns gestern in das Wolgadelta geführt. Einst war es ein begehrter Platz für den Stör, allen voran der Beluga tummelte sich gerne in dem weit verzweigten Wassernetz.Vergangenheit! Diese Fische sind fast komplett ausgestorben.
Zum einen hat ein großes Dammprojekt und die damit eingezogene Regulierung der Wassermassen die Laichplätze stark zerstört. Zum anderen sind diese Tiere ob ihrer Eier enorm stark begehrt. Die Rede ist vom Kaviar. Eines der begehrtesten Luxusspeisen auf der ganzen Welt.
Russland hat deshalb bereits 2005 den Stör auf die Rote Liste gesetzt und die Produktion von Kaviar nur mehr aus Zuchttieren gestattet. Zudem werden pro Jahr eine Millionen Störe (Russischer Stör sowie Beluga) in die Wolga ausgewildert. Wie das abläuft haben wir filmen können. Und dazu tief drinnen im Wasserlabyrinth ein fast nicht enden wollendes Meer an Lotusblumen entdeckt. Ein traumhafter Anblick! Das Wolgadelta ist der einzige Ort in Europa, wo man die rosafarbenen Wasserblüten in freier Natur betrachten kann.
Kaviar wird übrigens zur Zeit nicht produziert. Dies geschiet nur in den Monaten April bis Juni.
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Artikel vom 29. August 2011
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Artikel vom 28. August 2011
Nun also kann es los gehen mit den Dreharbeiten. Nach rund 4000 km sind wir am Kaspischen Meer in der Stadt Astrachan angekommen. Es ist das Thema Kaviar, was uns hierher verschlagen hat. Denn in Astrachan werden die begehrten Fischeier produziert. Früher vor allem im nahen Wolgadelta, heute nur mehr in einer Zuchanlage. Die wilde Fischerei ist verboten. So will es ein Gesetz.
Wir werden in den kommenden drei Tagen u.a. in der Zuchtanlage drehen, aber auch bei Fischern im Delta. Und auf dem Fischmarkt.
Wie sind die Tage in Russland bisher verlaufen? Völlig entspannt war die Einreise. Die Beamten waren sehr nett, haben uns beim Ausfüllen der Zolldokumente geholfen. Dazu ein angenehmer Plausch über unsere geplante Reiseroute. Auch die Vollendung der Formalitäten im Ministerium für ausländische Angelegenheiten zu Moskau war schnell erledigt. Wir sind nun im Besitz der offiziellen Journalistenakkreditierungen.
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Artikel vom 23. August 2011
Russlands Seele Russlands Stolz – so der Titel meiner neuen fünfteiligen Dokumentation.
Wir sind bereits seit zwei Tagen mit unserem Auto unterwegs. Die erste Station wird am Donnerstag Moskau sein. Es gilt ein paar offizielle Dinge im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten zu vollenden. Anschließend fahren wir (Matthias Kofahl begleitet mich wie schon im vergangenen Jahr zum Nordpol und im Frühjahr 2011 nach Weißrussland) nach Astrachan am Kaspischen Meer. Dort werden die Dreharbeiten beginnen – bei den Kaviar-Produzenten. Weitere Stationen sind u.a. Labytnangi im Nord-Ural, Tajura im Nordosten Sibirien und als Endstation Wladiwostok am Pazifik. Wir wollen die russische Seele und den russischen Stolz ergründen.
Wie ticken die Menschen im größten Staat der Erde? Was ist ihnen wichtig, worauf sind sie stolz, was begründet das Selbstbewusstsein der Russen. Haben sie überhaupt noch eines?
Diese Fragen werden wir u.a an den folgenden Orten und Regionen nachgehen: im immer noch größten Autowerk Russlands, dem Lada-Werk in Togliati; in der Region Cheljabinsk, in der nicht nur die erste Atombombe der Sowjetunion gebaut wurde, sondern die heute die am stärksten wachsende Wirtschaftsregion des Landes ist; die Gegend um Labytnangi im Nord-Ural, die als Rückzugsgebiet für Intellektuelle und Romantiker gilt; dann in einer Wodkafabrik, bei Rentierzüchtern, entlang der Baikal-Amur-Magistrale, bei Menschen, die in der Abgeschiedenheit der Taiga wohnen, die im Sommer nur per Schiff oder Helikopter zu erreichen sind.
Die Erstausstrahlung läuft vom 21. bis 26. November 2011, jeweils von 19:50 Uhr bis 20:15, im MDR-Fernsehen.
Natürlich werde ich in den kommenden Tagen und Wochen an dieser Stelle aktuell von unseren Erlebnissen berichten. In Wort und Bild (bewegt und still).
Schon vor der Ausstrahlung von Russland Seele Russlands Stolz wird der MDR ein ganz besonderes Jubiläum von mir würdigen: Wo Leben anders ist – 20 Jahre Junkers Weltreisen. Am 16., 23. und 30. Oktober jeweils von 21.00 bis 21.45 Uhr im MDR-Fernsehen.
Für heute wünsche ich allen eine gute Nacht!
PS: Die versprochenen Ein- und Tiefblicke in 20 Jahre Weltreisen an dieser Stelle habe ich nicht realisieren können, muss sie erneut verschieben. Es geht nicht anders – sorry!
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Artikel vom 23. Mai 2011
Manchmal verändert sich fast Alles innerhalb weniger Minuten und Stunden. Planungen, Projekte – und seien sie noch so wichtig – werden gegenstandslos. Weil anderes in den Vordergrund drängt und Wichtigkeit erlangt.
Es gibt Dinge, die wir nicht verändern, sondern nur akzeptieren und in unser eigenes Leben integrieren können.
Es sind Dinge, die zu unserem Leben dazugehören.
Aus diesem Grund wird auf dieser Blog-Seite für eine kurze Weile noch Ruhe einkehren. Ich muss und will meine Kraft derzeit an anderer Stelle einsetzen.
Mitte August werde ich dann an dieser Stelle das präsentieren, was ich ursprünglich auch geplant hatte – eine ausführlichen Rückblick auf 20 Jahre Weltreisen mit der MDR-Kamera.
Ich bin mir sicher, sie werden dafür Verständnis haben.
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Artikel vom 15. April 2011
Der Film ist fertig geschnitten. Am Ostersonntag erfolgt um 18:05 Uhr auf MDR-TV die Erstausstrahlung. Danach können Sie den Streifen in der MDR Mediathek jederzeit sehen.
Wer bis dahin nicht warten möchte, für den haben wir hier schon mal ein paar Geschichten nund Gesichter aus dem Film.
Am Anfang steht der grandiose Beloweschskaja Puscha Nationalpark. Hier ein Auszug aus dem Filmtext:
Nicht irgendeiner ist es, nein, ein ganz besonderer. Und stolz sind die Belarussen auf ihn, denn er ist der Urwald Europas schlechthin, er ist der älteste des Kontinents. Beloweschskaja Puscha sein Name, einst reichte er von den französischen Pyrenäen bis zum russischen Uralgebirge. Heute teilen sich Polen und Weißrussland das, was der Mensch nach Jahrhunderte langem Raubbau übrig gelassen hat. Immerhin, es sind noch rund 1450 Quadratkilometer, eine Fläche, doppelt so groß wie Berlin. Im Ersten Weltkrieg wurde extrem viel abgeholzt, man verlegte damals extra 320 km Eisenbahnschienen, um schneller das begehrte Gut abtransportieren zu können. Holz wurde gebraucht für die Schützengräben. Aber auch Zaren und Könige in den Jahrhunderten davor haben den Wald intensiv ausgeschlachtet und für sich zur Jagd genutzt. Inzwischen ist der Wald geschützt, mit seinen Nadel- und Laubbäumen zum Biosphärenreservat ernannt.
Und zum Glück gibt es auch sie wieder – Wisente. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es auf der ganzen Welt noch 50 Exemplare. Doch die drohende Ausrottung konnte verhindert werden.






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Artikel vom 14. April 2011
Weißrussland braucht dringend neue Devisen, die finanzielle Lage des Landes ist angeschlagen. Man hat deshalb auf dem internationalen Geldmarkt viele Anleihen ausgegeben, sich so Kapital besorgt. Doch die Zinsen dieser Wertpapiere wollen bedient werden. Deswegen wurden staatliche Unternehmen wie etwa BELARUSKALI in Soligorsk in offene Aktiengesellschaften umgewandelt. In der Hoffnung, das sich nun ausländische Investoren beteiligen. Und so viel Geld in die klamme Staatskasse gespült wird.
BELARUSKALI – ist der zweitgrößte Produzent von Kaligranulat weltweit. Gleich vier große Gruben gibt es in und um Soligorsk herum. 200 Kilometer lang sind die Förderbänder, mehr als 800 Kilometer Stollen haben sie unter Tage in das Gestein getrieben. Bis in eine Tiefe von 1000 m bauen sie das begehrte Erz ab. Und noch lange nicht sind sie am Ende angekommen. Für die nächsten 100 Jahre reichen die Vorkommen.




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Artikel vom 14. April 2011
Wir wollten sehen, wie Landwirtschaft in Weißrussland funktioniert. Aber einfach auf einen Bauernhof fahren, Stall, Tiere und Landmaschinen begutachten, nein das geht nicht. Wir haben die Rechnung ohne die Menschen von Bezdesch gemacht. Bevor wir die Kühe sehen dürfen, werden wir mit Brot, Salz und Musik empfangen. So, wie es bei ihnen Tradition ist, wenn Gäste von weit her kommen. Und – wir sollen erst einmal ihre Leinentuchproduktion kennen lernen. Frauen und Kinder haben sich zusammengefunden, sie wollen uns zeigen was ihr Stolz ist und schon immer war seit vielen, vielen Generationen, ganz gleich welche politischen Kräfte auch immer an der Macht waren.
Gefragt sind ihre Tücher, Schürzen und Hemden weit über die Grenzen ihres Landkreises hinaus. Sogar im Nachbarland Polen werden sie auf einigen Messen verkauft – und auch in Deutschland gibt es Kunden. 300 Euro beträgt der Durchschnittslohn in Weißrussland, auf dem Land ist es deutlich weniger. Da helfen die Einnahmen, die sie mit ihren Leinentüchern erzielen.
Auch in einem anderen Haus müssen wir noch vorbeischauen, bevor wir uns dem Thema Landwirtschaft widmen können. Brotbacken, in Bezdesch halten sie es damit so wie in vielen anderen Dörfern auf dem Land. Es ist eine Sache, die zu Hause erledigt wird. Backwaren im Laden zu kaufen, dafür wird kein Geld ausgegeben.






Schließlich besuchen wir eine private Genossenschaft, nichts ungewöhnliches in Weißrussland. 4800 ha Ackerland, 4160 Rindviecher. Im Jahr 2010 haben sie 8360 Tonnen Milch verkauft. Stolze Zahlen. Umgerecht 25 Eurocent pro Liter bekommen sie, damit können sie gut leben. Zu verdanken haben sie dies auch ihren modernen technischen Geräten. Die meisten davon stammen allerdings nicht aus dem eignen Land, sondern größtenteils aus Deutschland. Der Chef erklärt uns, dass es ohne Technik aus dem Ausland nicht geht. Die im Land produzierten Maschinen seinen viel zu änfällig.

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