Die Tristaner sind Selbstversorge. Zu gering die Renten und Löhne. Die Waren im kleinen Supermarkt sind so nicht wirklich erschwinglich. „Ohne unsere eigenen Kartoffeln, die Fische und unsere Kuh sowie den Hühner ist für uns das Überleben auf dieser Insel nicht möglich“, so beschreibt Joyce die Lage. Am Samstag sind deshalb zu ihrem Kartoffelfeld hinaus. 11 kleine, je rund 150 qm große Schollen haben sie dort sowie eine winzig kleine Gerätehütte. Es ist jetzt die Zeit der Aussaat. Deshalb nützt auch der Blick gen Himmel nichts. Es stürmt, es regnet. Joyce lässt uns wissen, dass das zwar Jahr für Jahr mühsamer und unangenehmer wird für sie, aber anders sei sie es nicht gewohnt. Und wenn sie die Arbeit nun vernachlässigen würden, dann würde sich das in ein paar Monaten bitter rächen. Nein, es ist kein einfaches Leben auf Tristan da Cunha. Aber eintauschen möchte es die 71jährige Dame nicht.
Rückblick – Ohne Kartoffeln ist alles nichts auf Tristan
Artikel vom 20. März 2010
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Rückblick – Es gibt kein schlechtes Wetter auf Tristan
Artikel vom 20. März 2010
Die letzten Tage ist Tristan da Cunha völlig im Sturm und Regen untergegangen. So zumindest könnte man das als Fremder betrachten. Oder aber man schaut einfach, was die Einheimischen aus solch einer Situation machen. Okay, die Fischer können definitiv bei solch einer Wetterlage nicht aufs Meer hinaus fahren. Dafür gönnen sie sich eine ganz besondere Freizeitbeschäftigung. Sie spielen Golf. Dort, wo die hochempfindlichen Messstationen stehen, befindet sich auch der 9-Lochplatz der Tristaner. Einen Golfclub gibt es nicht. Wer Lust hat spielt einfach. Je nach dem, in welchem Bauzustand sich gerade die Observatorien befinden, wird der Kurs neu definiert. Mal ist dann das vierte Loch eben das erste, das zweite wird zum fünften usw. Erlaubt ist was Spaß macht und die teuren Stationen nicht gefährdet. Und der Regen? Stört nicht. Zumindest nicht die Einheimischen. Höchstens einen ausländischen Filmemacher. Aber der hat sich inzwischen daran gewöhnt, nach jeder Einstellung sofort das Objektiv von Wassertropfen zu befreien.
Ein lustiges Ereignis gibt es aus Albatrossbar zu vermelden. In Gedenken an das zur Zeit in München stattfindende Oktoberfest hat ein österreichisch-dänischer Wissenschaftler, der viele Jahr in der bayerischen Hauptstadt gelebt hat, einen bayerischen Stammtisch ins Leben gerufen. Zum Präsidenten wurde ein Norweger ernannt, der Chef der Fischfabrik ist sein Stellvertreter. Hochwürden haben vorab den Segen dazu erteilt. Was will man mehr? Vielleicht weniger Sturm und Regen auf dem Heimweg. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, die auf Tristan da Cunha keinen wirklich interessiert.
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Rückblick – Ein Wochenende voller Freude
Artikel vom 20. März 2010
Am Samstag war es endlich soweit. Kaum Wolken, nahezu windstill. Kurz nach fünf Uhr in der Früh ertönten deshalb 33 Gongschläge. Das Zeichen für die Tristaner, dass der erwachende Tag ganz im Zeichen der Fischerei steht. Eine Stunde später waren neun Fischerboote bereits auf dem Wasser. Wieder eine Stunde später ein weiteres Boot, das als Springer und Mädchen für alles zwischen den Fischern fungiert. Sind in einem Boot alle Körbe voller Langusten, kommt Kapitän Darren mit seinem Kutter und tauscht leere gegen volle Behälter. Ist ein Motorproblem zu vermelden, liegt es ebenfalls an dem 34-jährigen Seemann, schnellst möglich auf hoher See eine Lösung zu finden. Zwischendrin wirft auch er Körbe aus, um die begehrten Meerestiere zu fangen.
Spannung kam am Nachmittag auf. Auf der Südwestseite der Insel geriet eines der kleinen Fischerboote in Seenot. Der Motor war komplett ausgefallen, die vierköpfige Besatzung war dem rund 3 m hohen Wellenspiel wehrlos ausgesetzt. Nach rund 40 Minuten war Darren zur Stelle, schleppte Boot und Männer sicher zurück in den Hafen. Gegen 17 hieß es schließlich auch für die anderen Fischer Feierabend. Für die Mitarbeiter in der Fischarbeit begann dagegen jetzt die Arbeit.
Heute am Sonntag galt es eine Taufe zu feiern. Deanna Emily Dorothy, süße neun Monate alt, wurde in den Kreis der katholischen Kirche aufgenommen – in einem feierlichen Gottesdienst, den kein geringerer als der Apostolische Prefekt, Monsignore Michael Bernard McPartland hielt. Zweimal pro Jahr kommt er jeweils für vier bis acht Wochen auf die Insel. Dazwischen werden die Gottesdienste von Laienpredigern geleitet. So heißt es also, alle wichtigen kirchlichen Ereignisse immer dann zu feiern, wenn der Gottesvertreter zugegen ist. Der gute Mann wäre zwar gerne öfter hier, aber sein Wirkungsgebiet auf Gottes Erden umfasst rund 1/6 der Erdoberfläche. Genauer gesagt alles, was südlich des Äquators und im Atlantik bis runter zum Südpol liegt. Das sind vor allem einige kleinere Inseln, die ähnlich schwer wie Tristan da Cunha zu erreichen sind.
Da Hochwürden auch vom allgemeinen Leben, auch von dem nördlich des Äquators viel weiß, stieß er auf der anschließenden Feier in der Prince Philip Hall mit uns auf das zur Zeit in München statt findende Oktoberfest an. Als junger Mensch in den 60er Jahren hat er es einst besucht. Ins Schwärmen kommt er heute noch. Die kleine Deanna Emily Dorothy hat davon nicht viel mitbekommen. Sie schlief friedlich auf dem Arm ihrer Mutter Sandra.
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Rückblick – Wetterwechsel
Artikel vom 20. März 2010
Seit ein paar Tagen versuchen wir zusammen mit den Fischern aufs Meer hinaus zu fahren. Doch auch heute ist das Vorhaben gescheitert. Zwar hatten wir eine klare Nacht, und auch am Morgen schien die Sonne. Doch die Winde sind zu heftig. Da alle Fischerboote offen sind, ist das einfach zu gefährlich. Zu viele Fischer sind in den vergangenen 150 Jahren gestorben. Heute gelten daher restriktivere Gesetze. Auch wenn dadurch die Fischfabrik für ein paar Tage still steht.
Wie schnell das Wetter wechselt, haben wir mal wieder gestern bei Dreharbeiten am westlichen Rand von Edinburgh erleben dürfen. Die Erdmagnetfeldforscher wollten als krönenden Abschluss ihrer Bautätigkeiten den entscheidenden Sensor einbauen. Was wir natürlich dokumentieren wollten. Der Weg zu ihnen erfolgte im Sonnenschein. Das Auspacken der Kamera auch noch. Doch als schließlich nach weiteren fünf Minuten der Sensor aus einem Nebengebäude in das eigentliche Observatorium getragen und eingebaut wurde, regnete es. So ist es auf Tristan da Cunha. Immerhin, kaum war die Arbeit verrichtet, bescherte uns Petrus einem sehr schönen Regenbogen.
Für den 30. September ist die Ankunft eines Frachtschiffes angesagt. Die Tristaner freut das sehr, denn inzwischen gehen auf der Insel so manche Vorräte aus. Zucker gibt es schon seit Tagen keinen mehr, das gleiche gilt für viele Haushaltswaren. Schlimmer aber ist, dass die Zutaten fürs Brotbacken nicht mehr zu bekommen sind. Aber ernsthafte Sorgen bereitet dies keinen Insulaner. Sie sind es gewohnt, haben meist zuhause einen ausreichenden Vorrat. Und so lange es Kartoffeln aus dem eigenen Garten und Fisch aus dem Meer gibt, geht die Welt hier sowieso nicht unter.
Die Tatsache, dass auch die meisten alkoholischen Getränke nicht mehr im Supermarkt zu bekommen sind, nun, das ist eine ganz andere Geschichte…
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Rückblick – Langusten und kein Ende
Artikel vom 20. März 2010
Die Tristaner sind und bleiben mit der Langustenverarbeitung vollauf beschäftigt. Die Fangerträge der vergangenen Woche waren so ergiebig, dass selbst am Samstag in der Fischfabrik gearbeitet werden musste. Dies ist auf dieser Insel etwas seltenes, denn der Samstag ist eigentlich der Tag, an dem fast alle, gleich bei welchem Wetter auch immer, zu den Kartoffelfeldern rauslaufen. Es ist gerade Zeit für die Setzlinge. Und da Kartoffeln das wichtigste Nahrungsmittel neben Fisch und Rindfleisch sind, muss es schon einen wichtigen Grund geben, diesen Tag nicht auf den Feldern zu verbringen. Die Langusten schlagen aber alles, zumal am Anfang des kommenden Monats das Frachtschiff Baltic Trader kommt. Es bringt nicht nur im großen Stil Waren für die Inselbewohner, es nimmt auch die verarbeiteten Langusten mit. Deshalb wird auch am heutigen Montag wieder Hochbetrieb in der Fischfabrik herrschen. Und sobald in dieser Woche das Wetter eine annähernd windstille Phase verspricht, werden die neun offenen Fischerboote erneut auf das Meer hinausfahren. Das nächste Schiff mit Ladekapazität kommt nämlich erst in zwei Monaten.
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Rückblick – Erdmagnetfeldforschung und vier Jahreszeiten an einem Tag
Artikel vom 20. März 2010
Am Samstag haben wir am westlichen Rand von Edinburgh ein dänisch-norwegisch-amerikanisches Forscherteam besucht. Mit Hilfe von 6 Einheimischen bauen sie dort ein kleines Observatorium, mit dem das Erdmagnetfeld erforscht werden kann. Es ist nicht die erste wissenschaftliche Einrichtung auf Tristan da Cunha. In unmittelbarer Nachbarschaft stehen weitere Sensoren und Messstationen, die vor allem unerlaubten Nukleartests auf der Spur sind. Verrückt ist der Standort all dieser Einrichtungen – mitten auf einem Golfplatz. 264 Tristaner haben ihren eigenen 9-Loch-Golfplatz, der gleichzeitig Hühnern und Kühen als idealer Weideplatz dient.
Noch verrückter ist allerdings das Wetter auf dieser Insel. Innerhalb von wenigen Minuten kann hier das Wetter komplett umschlagen. Reicht eben noch ein T-Shirt, gießt und stürmt es kurze Zeit später so sehr, dass selbst Goretex-Bekleidung ungenügend ist. Dann, ein paar Stunden später, weht ein laues Frühlingslüftchen durch das Dorf, dass wenig danach im nass-kalten Nebel versinkt.
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Rückblick – Fischtage auf Tristan
Artikel vom 20. März 2010
Seit gestern erleben wir ein rares Wetterphänomen auf Tristan da Cunha. Es ist nicht nur sonnig und mit rund 15 Grad auch angenehm warm, nein, es ist auch noch windstill. Das Dorf ist deswegen so gut wie leergefegt. Die meisten Männer sind mit den Booten draußen, um zu fischen. Die Frauen sind in der neu erbauten Fischfabrik (die alte ist vor 1 ½ Jahren abgebrannt). Die Spezialität und Haupteinnahmequelle der Insulaner ist Lobster. 185 Tonnen pro Jahr kommen zusammen. Und die wollen erst einmal verarbeitet sein. Erstaunlich für mich, dass in der Abteilung, in der die Lobster von Hand verpacken werden, fast nur ältere Frauen arbeiten. Scheinbar wird nur ihnen die filigrane Arbeit zugetraut. Exakt symmetrisch werden die gefragten Meerestiere einzeln in Klarsichttüten gelegt und anschließend tiefgefroren. Abnehmer sind vor allem Europa, Nordamerika, Japan und Australien.
Gearbeitet wird übrigens so lange, bis alles verarbeitet ist. Sollten also die kommenden Tage auch noch windstill sein, läuft die Fischfabrik fast rund um die Uhr. Kein Tier soll verkommen. Deshalb ist auch unsere Joyce mit von der Partie. Was sie allerdings nicht daran hindert, uns dennoch aufzukochen, als gäbe es kein Morgen mehr…
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Rückblick – Empfang beim Inselchef
Artikel vom 20. März 2010
Tristan da Cunha, was für eine Insel! Mitten im Südatlantik ragt ein 2000 m hoher Vulkankegel aus dem Meer, steil und abweisend die Flanken. Nur an zwei Stellen sind flache Bereiche, dort ist einst Lava ins Meer geflossen. Auf dem einen Fleck steht der einzige Ort der Insel, Edinburgh. 264 Einwohner, es ist die abgelegenste Siedlung der Erde. Da es keinen Flughafen gibt, kann man nur mit dem Schiff anreisen. Eine regelmäßige Verbindung gibt es nicht. Einmal im Jahr kommt das Forschungsschiff, mit dem wir gekommen sind, dazwischen lassen sich 5 bis 6 große Fischkutter blicken. Mehr Verbindungen gibt es nicht.
Die Menschen haben sich damit arrangiert, erstaunlicher Weise haben wir bislang noch niemanden getroffen, der wirklich von der Insel weg will. Es ist eine friedliche Insel. Türen werden hier generell nicht verschlossen, der Verkehr beschränkt sich auf eine Handvoll Autos, dazu ein Bus, ein paar Traktoren, ein Bagger und ein paar Mopeds. Nichts ist in Edinburgh wirklich weit entfernt, alles kann bequem zu Fuß erreicht werden. Abgesehen vom Kartoffelacker, der auf der 5 Kilometer entfernten anderen flachen Stelle der Insel ist.
Mit uns sind 16 Ausländer gekommen. Forscher zumeist, ein Zahn- und ein Augenarzt. Zwei Britten, die Freunde auf der Insel besuchen. Und ein Lehrerehepaar , das in den 80er Jahren auf der Insel unterrichtet hat. Da Besuch von Fremden selten ist, gab es gestern (Sonntag) einen Empfang des Chief Islanders, Mr. Glass. 150 Tristaner kamen in die Prince Philip Hall, es war ein großes Fest, das um 11 Uhr nach der Kirche begann. Die Ansprache war kurz, die Party ausgelassen und intensiv. Es war ein herzlicher Empfang, der gegen 16.00 endete. Gut so!
Unsere Unterkunft ist einfach aber gut. Donald und Joyce lassen keinen Augenblick aus, um uns bestens zu versorgen. So hat Joyce nur eine einzige Angst – sie könnte für uns zu wenig kochen! Wiederspruch ist zwecklos…
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Rückblick – Ankunft in Tristan da Cunha
Artikel vom 20. März 2010
Es ist vollbracht, nach sieben Tagen auf dem Atlantik sind wir gestern auf Tristan da Cunha angekommen. Die Fahrt mit der SA Agulhas hat einen Tag länger gedauert. Zu stürmisch war die See, die Geschwindigkeit musste gedrosselt werden. Mehr als die Hälfte der Passagiere war seekrank. Die Höhe der Wellen wurde mit zehn Metern taxiert. Was noch nicht weiter schlimm gewesen wäre. Doch die starken Winde, die mit durchschnittlich 80 km/h seitlich auf unser Schiff einwirkten, führten zu sehr unangenehmen Schiffsbewegungen.
Kurz vor der Ankunft mussten alle Passagiere eine Untersuchung in Sachen Schweinegrippe über sich ergehen lassen. Das Resultat, niemand ist infiziert, alle konnten per Helikopter den Landgang antreten.
Ein ausführlicher Bericht zu den Tagen auf See sowie Bilder folgen. Jetzt müssen wir uns erst einmal auf Tristan da Cunha einrichten. 264 Einwohner hat die Insel, untergebracht sind wir sind bei einem alten, sehr liebenswürdigem Ehepaar – Donald und Joyce Hagan. Das Wetter heute ist stürmisch, es regnet. Samstags und sonntags werden wir keine Blogeinträge liefern und Mails beantworten können. Denn dann ist hier heiliges Wochenende. Und da werden selbst die Internetleitungen abgeschaltet.
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