Diese Inselwelt ist auf ihre Art und Weise ein Paradies. Für jene, die gerne abtauchen, gilt es 400 verschiedene Fische und über 1000 Korallenarten zu entdecken. Wer kein Wasser mag, aber dennoch seine Ruhe genießen möchte, auch der wird hier sein Himmelreich auf Erden finden. Manch eine der rund 300 Inseln ist nur schwer zu erreichen. Wer dort lebt und Kontakt zur Außenwelt pflegen möchte, braucht schon ein eigenes Boot und ein Satellitentelefon.
Und sollte manch einer denken, die Welt könne nicht mehr ohne Highspeed-Internet auskommen, der wird auf Palau eines besseren gelehrt. Schnell ist die Datenleitung an keinem Tag, manchmal gönnt sie sich eine Auszeit. Die Übertragung von normalen E-Mails kann da schon einmal ein bis zwei Stunden in Anspruch nehmen. Das Uploaden eines Videotagesbuches wird in solchen Fällen komplett unmöglich. Darüber aufregen? Nun, in Palau findet man dazu interessante Antworten. Und freut sich über das restliche Inselleben – welches zugegebenermaßen den langsamen Rhythmus als Idealzustand betrachtet.
Abgeschiedenheit hoch drei
Artikel vom 19. Januar 2010
Abgelegt unter Adak
Zwischen Haiti und Palau
Artikel vom 17. Januar 2010
Es fällt mir schwer in diesen Tagen vom Leben auf einer Insel zu berichten, die zwar zu den vergessenen Inseln gehört, auf der aber niemand ob dieser Tatsache etwas erleiden muss. Palau mag eine abgelegene Insel sein, trotzdem oder gerade deswegen ist sie eines der Flecken auf der Erde, die man gerne als Paradies beschreibt – in nahezu allen Belangen.
Auf der anderen Seite der Kugel spielen sich derweil dramatische, mit Worten kaum zu beschreibende Szenen ab. Wohl mehr als 100.000 Menschen sind in Haiti gestorben. Und für die Überlebenden werden die Verhältnisse immer schwerer. Lebensmittel, Medizin, es mangelt an vielem in viel zu großen Dimensionen.
Es ist an der Zeit, für den Augenblick inne zu halten. Morgen folgen wieder Berichte und Videotagebücher von einer vergessenen Insel, in der das Leben zur Zeit völlig unbeschwert zu genießen ist.
Abgelegt unter Adak
Regentage auf Palau
Artikel vom 15. Januar 2010
Unsere Dreharbeite fallen für heute ins Wasser. Nein, wir gehen nicht tauchen, um die sicherlich wunderschöne Unterwasserwelt zu filmen. Das steht erst in den kommenden Tagen auf dem Programm. Es schüttet was das Zeugs hält. Seit dem wir gestern die Aufnahmen auf Angaur beendet haben, scheint der Himmel alle Schleusen geöffnet zu haben. Schon die Rückfahrt übers Meer glich einer einzigen Dusche. Erst war das Wasser so aufgewühlt, die Wellen so hoch, dass wir eine Welle nach der anderen über das kleine Boot bekamen. Dann kam der Regen. Es ist ein warmer Regen, das tröstet. Aber sonnige Südseeträume sehen anders aus. Also, die Außenaufnahmen in Koror, der wichtigsten Siedlung auf Palau, werden wir schieben müssen. Dafür werden wir ins Büro des deutschen Honorarkonsuls auf Palau gehen, ihn interviewen und bei seiner Arbeit filmen.
Für die kommenden Tage ist Wetterbesserung angesagt. Gut so, denn morgen wollen wir mit dem Stiefsohn des Häuptlings zu den Stellen fahren, die gemeinhin als Paradies bezeichnet werden. Unberührte Strände, mit Urwald bewachsene Kalksteinfelsen. Auf einer Insel ist ein kleiner See, in dem Quallen schwimmen. Es sollen die einzigen auf der Welt sein, die nicht mehr giftig sind. Da wollen wir dann freiwillig ins Wasser abtauchen und filmen.
Abgelegt unter Adak
Palau und die ersten Eindrücke
Artikel vom 13. Januar 2010
Über 5.000 Jahre alt ist die Tradition und Kultur im Inselstaat Palau. Doch die Jahre nach dem 2ten Weltkrieg haben das Land gewaltig geprägt. Die USA haben bis 1994 die Federführung gehabt. Und ihre Kultur ist zumindest zum Teil geblieben. In einem Land, in dem alles wächst und Fische sowie Meeresfrüchte in großen Mengen direkt vor der Haustür liegen, gibt es auf jeder Speisekarte Hamburger und Sandwiches (aber nicht nur). Stehen im Zentrum der sympathischen und zugleich größten „Stadt“ Koror (rund 6.000 Einwohner) mobile Hamburgerbuden. Wenigstens die großen Fast-Food-Ketten haben Palau noch nicht entdeckt. In diesem Inselreich leben nur 13.000 (nicht wie gestern geschrieben 20.000), wahrscheinlich verspricht das nicht genügend Umsatz und Gewinn.
Üppig und farbenprächtig ist die Vegetation. Überall wächst und gedeiht es. Ein Fest für die Augen. Und das Wasser ist traumhaft schön. Türkisfarben! Klar und durchsichtig! Nur mit den Temperaturen kommen wir noch nicht so richtig klar. Unsere Körper hatten sich an das kalte Klima gewöhnt, nun die Umstellung auf Hitze und sehr schwüle Luft.
Morgen werden wir auf den Spuren des deutschen Kaiserreiches wandeln. Auf der Insel Angaur (Palau besteht aus 300 kleinen und kleinsten Inseln) haben Deutsche einst nach Phosphat graben lassen. Ein altes Fabrikgebäude aus dieser Zeit steht dort noch mitten im Dschungel.
Abgelegt unter Adak
Zum Abschluss ein paar Impressionen aus Adak
Artikel vom 11. Januar 2010

Das ehemalige Atomwaffenlager auf Adak

Adler beherrschen heute den Luftraum über der Insel

Munitionsbunker sind über die ganze Insel verstreut

Ein Teil der Geisterstadt auf Adak Island

Unbewohnte Häuser soweit das Auge reicht

Ohne Worte...

Dreharbeiten in der fantastischen Landschaft Adaks
Abgelegt unter Adak
Es geht weiter nach Palau
Artikel vom 11. Januar 2010
Es ist soweit, unsere Zeit auf Adak geht zu Ende. Die Dreharbeiten sind beendet, nun hoffen wir, dass um 17:15 unserer Zeit der Flieger gen Palau, unserer nächsten vergessenen Insel abhebt. Das Wetter ist heute ausgesprochen schön. Kein Regen, kein Schnee und vor allem kein Sturm. Ab und an ziehen zwar ein paar Nebelschwaden über die Insel, aber das sollte ein Flugzeug nicht stören.
Die Tage auf Adak waren sehr intensiv. Was bleibt sind viele Stunden Videomaterial, viele sehr herzliche und tiefgreifende Begegnungen mit den Menschen, die auf dieser Insel leben. Aber auch die Frage, wie man als Militärmacht eine Insel so zerstören kann und sich keiner Verantwortung bewußt ist. Die Menschen auf Adak würden gerne die militärischen Überreste beseitigen und die überflüssigen Häuser zurückbauen. Aber dazu bedarf es finanzieller Mittel, die die Einheimischen nicht aufbringen können. Das Militär, der Staat USA stehen in der Pflicht.
Wenn alles so läuft, wie es geplant ist, werden wir am Dienstag in Palau eintreffen.
Abgelegt unter Adak
Tage auf Adak
Artikel vom 8. Januar 2010
Es gibt Tage, da läuft alles anders. So wie heute. Der Wetterbericht versprach Regen und Sturm, der Tag brachte aber vereinzelte Sonnenstrahlen und keinen Wind. Wir haben den Drehplan von Innenaufnahme auf Außen umgestellt. Jim war unser Begleiter. Seit ewigen Jahren scheint er auf Adak zu leben, wie viele weiß er selbst nicht genau und ist ihm auch nicht wirklich wichtig. Er kennt all die verlassenen Militärgebäude, die über die ganze Insel verstreut sind.
Mit ihm fahren wir durch Absperrungen (die nicht mehr wirklich existieren), passieren zerstörte Schranken, gehen durch völlig herunter gekommene Militäranlagen. Inspizieren neben dem Flughafen die Anlage, in dem einst die nuklearen Sprengköpfe gelagert waren. Besuchen in einer Kaserne einen großen Raum, der zugleich Kirche und Bar war, bestaunen die Überreste der Anlage, mit dem einst die nördlich gelegenen Unterwasser-Gebiete in der Beringstraße abgehört wurden. Die Zerstörung ist gigantisch, die einher gehende Umweltverschmutzung enorm. Ein Rückbau der Anlagen und Gebäude, eine Entsorgung verseuchter Teile und Erdmassen ist nicht geplant. Daran hat die Supermacht USA kein Interesse.
Eine andere Geschichte, auf Adak ist alles reichlich teuer. Ein Toastbrot 6 Euro. 12 Eier haben denselben Preis, 2 Liter Milch sind für einen Cent weniger zu bekommen. Eine Dose Bier kostet fast 2 Euro, für Fleisch, Gemüse und Käse muss doppelt bis dreifach so viel wie in Deutschland bezahlt werden. Mit Benzin verhält es sich ebenso. Ein Mietauto kostet pro Tag runde 100 Euro. Dafür bekommt man im besten Fall einen mindestens 20 Jahre alten Pickup, der durch die Farbe auf dem Rost zusammen gehalten wird. Unser Auto wird mittels eines Drahtes gestartet, durch die geschlossene Tür kann ich meine Hand mühelos strecken, dem Pickup-Aufsatz fehlt eine Scheibe und die Heckklappe wird durch eine Zange festgehalten. Aber das Teil fährt, bringt uns auf der Insel überall dorthin, wo wir gedenken drehen zu wollen. Für die Menschen, die auf Adak dauerhaft leben, sind die Preise allerdings ein großes Problem, denn die Löhne sind nur so wie sonst auf dem Festland. Deshalb hat fast jeder einen zweiten Job. Manche sogar drei.
Abgelegt unter Adak
Menschen in Adak
Artikel vom 7. Januar 2010
Adak ist ein faszinierender Ort. Auf der einen Seite eine Geisterstadt mit zum Teil völlig herunter gekommenen Gebäuden. Auf der anderen Seite aber bringen Menschen Leben in diese Trostlosigkeit, und das mit einer Leidenschaft, die einen überrascht. Jack Steward ist mit seinen 68 Jahren der zweitälteste Insulaner. Mit dem Ende der Militärstation im Jahre 1994 kam er nach Adak. Eigentlich nur, um all die Häuser im wahrsten Sinne des Wortes zu schließen. An einen Rückbau war nie gedacht. Dafür wollte die US-Amerikanische Regierung nie Geld ausgeben – bis heute übrigens. Lieber lässt man alles kontrolliert verrotten und vergammeln. Jack kam, sollte für zwei, drei Jahre bleiben und ist noch immer da. Als all die Soldaten weg waren, kehrten Frieden und Ruhe auf dieser Insel ein. Und Jack beschloss, für ein paar wenige Dollar eines der Häuser zu kaufen.
32 Jahre hatte er selbst beim Militär gedient, nun bezog er eine ordentliche Rente. Jagen und Fischen waren schon immer seine Leidenschaft. Wind, Regen, Schnee und Sturm haben ihm noch nie etwas ausgemacht. Er hat sein kleines Paradies gefunden.
Inzwischen repariert er für all die anderen Insulaner die Häuser, vermietet alte Fahrzeuge an Reisende wie uns und ist vor allem mit Rat und Tat zur Stellen, wann immer jemand ein Problem hat. Fünf Jahre will er noch arbeiten, dann soll Schluss sein. Nur von der Insel will er nicht weg.
Mit diesen Gedanken ist er nicht alleine. Auch Cat kam im gleichen Jahr wie Jack und ist noch immer da. Für viele ist sie Mama Cat, weil sie für jeden Zeit und immer ein offenes Ohr hat. Ganz besonders für die vielen Seeleute und Fischer, die mit ihren Booten Adak anlaufen, um frisches Wasser und Proviant zu bunkern. Normalerweise ist ihr Laden, der Liquor Store (nur hier gibt es alkoholische Getränke), für zwei Stunden am Tag geöffnet. Aber wann immer ein Trawler oder Frachter im Hafen einläuft, gibt es Sonderöffnungszeiten – und ganz sicher ein herzliches Gespräch mit Mama Cat. Ursprünglich stammt die Eskimofrau aus dem hohen Norden Alaskas. Ihren Lebensabend will sie jedoch hier verbringen. Auch weil sie unter einer Sonnenallergie leidet. Auf Adak Island stehen Wolken, Schnee und Regen fast täglich auf der meteorologischen Tagesordnung. Cat freut sich darüber.

Abgelegt unter Adak
Geisterstadt Adak
Artikel vom 5. Januar 2010
Adak Island liegt drei Flugstunden westlich von Anchorage. Bis Kamtschatka sind es nicht mehr. Deshalb war es für die USA in den Zeiten des Kalten Krieges eines der besten Orte, um große Horchposten aufzustellen. Bis zu 8000 Soldaten waren auf Adak stationiert, aber nicht nur um zu lauschen, sondern auch um Raketen und Sprengköpfe jeglicher Art, nukleare inbegriffen, für den Einsatzfall bereit zu halten. Adak war ein unzugänglicher Ort, abgeschirmt und so geheim, dass selbst in den USA kaum jemand über die Existenz dieser Militärstation Kenntnis hatte.
Und heute spazieren wir ohne Hindernisse oder Auflagen durch all die Anlagen, fahren durch die Siedlung Adak. Hunderte Einfamilienhäuser! Die meisten gammeln vor sich hin; kaputte Fensterscheiben, im Sturmwind schwingende Türen und Bleche. Einige sind noch bewohnt oder werden für Verwaltungsakte genutzt. Inmitten all den Häusern ist eine Infrastruktur für die wenigen erhalten geblieben, die auf der Insel geblieben sind oder gezielt den Weg hierher gesucht haben. In der ehemaligen Basketballhalle logieren nun ein Supermarkt und die “Rezeption“ des Adak-Inn-Hotels. Die Highschool beherbergt das Bürgermeisteramt, die Post und eine kleine Klinik.
Adak, eine Geisterstadt nicht aus verwegenen Wildwestzeiten, sondern aus der jüngsten Geschichte. Aber Adak, dass sind auch fröhliche, freundliche und zuvorkommende Gesichter. Wo immer wir jemanden treffen öffnen sich Türen; hat man ein Lachen für uns. Ich fühle mich stark an Tristan da Cunha erinnert. Auch dort haben die Menschen in sich geruht, waren zufrieden, wie stürmisch die Bedingungen um sie herum auch immer waren. Ein schönes Gefühl.
Abgelegt unter Adak
Gedanken zum Jemen
Artikel vom 5. Januar 2010
Die aktuellen Nachrichten, die zur Zeit aus dem Jemen und den Hauptstädten einiger namhafter Länder dieser Welt auch zu uns in den hohen Norden des Pazifiks vordringen, lassen mich ehrlich gesagt nicht kalt.
Vor genau einem Jahr wollten wir im Zuge der Filmproduktion „Eine Reise durch Allahs irdisches Reich“ in das Land auf der arabischen Halbinsel einreisen. Keine zwei Wochen vor der Abreise hatten wir damals davon Abstand genommen. Zum einen weil kurz zuvor ein Deutscher entführt wurde, zum anderen da sich die Sicherheitslage in diesem islamischen Land immer konfuser und unkontrollierter entwickelte. Niemand konnte uns eine Sicherheitsgarantie geben. Allerdings waren es damals nicht die vermutlichen Al Qaida-Terroristen, die zu diesem Umstand führten, sondern die innerjeminitischen Verhältnisse.
Daran hat sich nicht viel in den vergangenen 12 Monaten geändert. Die Staatsregierung ist ähnlich wie in Afghanistan nicht wirklich Herr über das ganze Land. Es sind weit über einhundert Stämme, die in ihren Gebieten die Macht ausüben und sich selten dabei reinreden lassen wollen. So kam es in der Vergangenheit immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht, die allerdings selten außerhalb der Landesgrenzen wahr genommen wurden. Sensibel und rücksichtsvoll wurde dabei von beiden Seiten bisweilen kaum gehandelt.
Al Qaida-Mitglieder haben diese Lage für sich konsequent ausgenutzt. Und die Tatsachen, dass der Bin Laden-Clan aus dem Jemen stammt hat sicherlich beste Voraussetzungen geschaffen, um ungestörte Rückzugsgebiete zu finden.
Doch wenn nun Vertreter der Staatsmacht nach ausländischer Hilfe beim Kampf gegen den Terrorismus rufen, sollte man genau analysieren, gegen wen der Kampf gerichtet sein soll.
Soweit ein paar Gedanken von jener vergessenen Insel, die über Jahrzehnte einen der wichtigsten Horchposten im Kalten Krieg beherbergte.
Abgelegt unter Adak

