Team-Meeting 6 Wochen vor dem Start
Artikel vom 13. August 2010
Es geht nun mit großen Schritten voran. Die Technik ist fast komplett, die Testflüge mit dem speziell für die Luftaufnahmen konstruierten Kamerastabilisierungssystem stehen in ein paar Tagen auf dem Programm. Gerade zurück gekommen sind wir von einem mehrtägigen Team-Meeting. Der Mannheimer Morgen hat am Donnerstag (12. August) darüber berichtet. Hier ist der Artikel:
Große Pläne: Der Schwetzinger Filmschaffende und Weltreisende Thomas Junker vor großer Tour
“Tiefflug zum Nordpol”
Das neue Thema steht, der Titel ist gefunden, die groben Vorarbeiten sind erledigt. Zeit, die Ergebnisse zusammenzufassen, für den Endspurt alles in die richtigen Kanäle zu leiten und die finale Feinabstimmung voranzutreiben. Der aus Schwetzingen stammende Filmschaffende und Weltreisende Thomas Junker steht wieder kurz vor seiner nächsten Tour.
Menschen im Mittelpunkt
“Im Tiefflug zum Nordpol” ist nicht nur die Überschrift für das Projekt mit dem MDR sondern beinhaltet schon vieles von dem Vorhaben. Kein Motorrad, kein Jeep oder gar die Eisenbahn – ein Flugzeug ist diesmal das Transportmedium und jenes soll sich in den hohen Breiten Europas und des Nordatlantiks tummeln. Ein erster Versuch, 1998 den geografisch nördlichsten Punkt unseres Planeten zu erreichen, scheiterte. Mit viel Anlauf wird nun die zweite Attacke unternommen.
Auch wenn Luftaufnahmen das neue prickelnde Salz in der Suppe sind, primär wird aber dabei auch weiterhin nach den Menschen am Wegesrand und ihren Geschichten geschaut. “Das bleibt auch weiterhin im Mittelpunkt meines Bestrebens” gibt der Autor und Teamchef vor. So eine Reise kann und soll aber auch der Wahrheitsfindung dienen. So wird Junker, der auch die Hauptkamera selbst bedient, mit der Mär vom Nordkap als nördlichsten Punkt Festland-Europas aufräumen.
Er hatte seinen ganzen Stab ins Tiroler Kaunertal beordert. Die Besprechung sollte nicht nur ihrem inhaltlichen Zweck dienen sondern die Mannschaft auch zusammenschweißen. Hoch oben (1800 Meter) und malerisch in den Ötztaler Alpen gelegen über dem Talgrund mit den Tourismusorten und dem Inn stellte Charly Hefele vom Hotel Weißseespitze seine Almhütte, Logistik sowie das authentische Kuhgeläut als Hintergrundgeräusch zur Verfügung, Ehrensache für den zeitweiligen Expeditionsteilnehmer.
Weitere Begleiter von Junker sind sein schon erfahrener Assistent Andreas Meyer sowie “Azubi” Matthias Kofahl (beide Moritzburg). Letzterer soll sich um die zweite Kamera und den Schnitt vor Ort kümmern. Zu diesem Zweck bekam er von “Chef-Cutter” Thorsten Zürn (Dresden) eine lange Liste von Anweisungen und Einstellungswünschen mit auf den Weg, respektive ins Protokoll diktiert. Ergänzt wird die Crew von Susanne Neumahr (Kaiserslautern), eine Notfall-Ärztin, die auf einen doch größeren Außeneinsatz geht.
Erfahrene Crew
Natürlich braucht das Fluggerät, eine Cessna Grand Caravan, ein echtes Arbeitstier, so eine richtige Kiste für Buschpiloten, eine kompetente Bedienungsmannschaft. Diese vertrat der Vorarlberger Florian Scheffknecht (Lustenau) vom AFS Alpiner Flugservice AG in Oberriet, SG, Schweiz. In seinen Händen und denen seiner beiden Co-Piloten Dr. Reinhard Flatz (im Hauptberuf Richter in Feldkirch, auf zahlreichen Expeditionen weltweit erprobt und langjähriger Aero-Club-Präsident) und Magister Alexander Kantner (Wirtschaftsfachmann in Bregenz) liegt es, dem oft heftigen Wetter in den Lüften der nordischen Breiten zu widerstehen.
Sicherheit groß geschrieben
Dass so eine Sitzung durchaus von Nöten ist, zeigte die Unmenge an Details, die besprochen werden mussten. Das reichte von dem “Klo”, welches für die längeren Überwasser-Flugstrecken eingerichtet werden muss (spezielle “Tüten und ein Topf”), über das Ausspähen von Überspielstationen und Bestellen von Leitungen – schließlich wollen die Zuschauer ja ständig informiert sein – die Größen der Überlebensanzüge bis hin zur restlichen Ausrüstung und dem medizinischen Equipment.
Überhaupt rückte das Thema Sicherheit für Mensch und Material ständig in den Vordergrund. Wobei Scheffknecht betonte, dass dies keine “Hochrisiko-Expedition” sei, aber die Flüge würden “schon etwas vom Standard abweichen”. Ein Hinweis mag sicher auch gewesen sein, die “richtigen” Strümpfe mitzunehmen. Denn dort im polaren Zirkel werden beim Betreten jedes Hauses, auch öffentlicher Einrichtungen, die Schuhe ausgezogen.
Junker umriss das Projekt noch einmal: “Das Leben in den Dörfern mitbekommen, uns abseits der touristischen Pfade aufhalten und drehen.” So ist angedacht, eventuell mit Einheimischen auf die Jagd zu gehen, in einer Kneipe im fast Nirgendwo soll der Kontakt zur Bevölkerung gesucht werden. Das Exkursionsteam wird dabei in Regionen vordringen, für die normalerweise keine Besuchserlaubnisse ausgestellt werden und von wo naturgemäß bislang nur wenig Bildmaterial existiert. “Die Leute vor Ort sollen uns helfen, ihr Land, ihre Region und Geschichte kennenzulernen und zu verstehen.” Er wird den Daheimgebliebenen wie zuvor Bräuche anderer Ethnien und Volksgruppen vorstellen, die von unserer Norm abweichen, uns oft fremd vorkommen. Für “Auftraggeber” Hansjürgen Ender (Redaktionsleiter Unterhaltung MDR Leipzig) ist die ganze Operation eine runde Sache: “Ich wünsche eine erfolgreiche Produktion, die”, nach seiner Einschätzung bislang, “wie immer perfekt vorbereitet ist. Schließlich begeht der Filmschaffende nächstes Jahr sein 20-jähriges Jubiläum für unseren MDR”. mj
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