Monatsarchiv für September 2011

Workuta – Leben zwischen Tundra und Gulagvergangenheit

Artikel vom 27. September 2011

Wir sind zurück aus der Region um Workuta. Es waren sehr intensive und auch verrückte Tage. In und um Workuta herum haben wir die Geschichte der Stadt erfahren – oder besser gesagt das besichtigt, was davon noch vorhanden ist (die historische Aufarbeitung in Russland in Sachen Stalin und Gulags läuft auf ihre ganz eigene Art).

So gab es das Lager “Berlin 2″. Zu sehen gibt es heute außer ein paar Holzresten nichts. Ein wenig entfernt liegt der Friedhof von “Berlin 2″. Er wird nun mühsam mit ein paar Kreuzen zurück in Erinnerung gebracht. Über Teile des Friedhos verläuft allerdings inzwischen eine Teerstraße.

Auch von all den anderen über 100 Lagern in und um Workuta herum ist so gut wie nichts mehr vorhanden. Es wird jedoch an ein paar Projekten gearbeitet, die die Geschichte aufarbeiten sollen. Ein Grund dafür liegt in der Monostruktur der Stadt. Workuta ist völlig auf den Bergbau ausgerichtet. Doch der ist in großen Teilen nicht mehr rentabel, die meisten Zechen sind schon dicht. Von einst (1986) 230.000 Einwohnern werden in ein paar Jahren wohl nur mehr 60.000 übrig bleiben. Für Einnahmen soll dann nicht nur der Bergbau sorgen, sondern auch Geschichts-Tourismus.

Wir waren jedoch nicht nur in Workuta, sondern auch in der Tundra und dem nördlichen Uralgebirge. Hier die Geschichten und Fotos.

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Noch immer im Ural, aber jetzt weit oben im Norden.

Artikel vom 18. September 2011

Die Region um Cheljabinsk liegt hinter uns, heute wollen wir von Uchta aus mit dem Zug nach Workuta fahren. Mit dem Auto können wir dort nicht hin, es fehlt eine Straße. Nur im Winter, wenn der Boden und die Flüsse gefroren sind, kann man mit dem eigenen Fahrzeug bis ganz in den Norden hinauf.

Also werden wir den Zug nehmen und eine Nacht lang dort das Treiben betrachten. Mit uns dabei ist Renat. Er hat schon in den vergangenen 7 Tagen für uns gedolmetscht. Nun will er sich den nördlichen Teil des Urals nicht entgehen lassen. Noch nie war er dort. Für ihn ist es eine Entdeckungsreise in seinem Heimatland. Uns kommt das mehr als gelegen. Schon die Fahrt nach Uchta war sehr lehrreich. Renat kann uns vieles erklären, was wir am Wegesrand sehen. Und die Kommunikation mit den Menschen wird durch ihn natürlich auch einfacher und intensiver.

Die Geschichte Workutas ist die der Gulags. Wie aber sieht es heute aus? Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben die meisten Kohlebergwerke dicht gemacht. Nicht sofort, aber die Marktwirtschaft hat auch diese nördliche Stadt erreicht.

Von Workuta aus werden wir mit einem „Allwegefahrzeug“ den Ural ostwärts überqueren. Vorbei an Rentierzüchtern, vorbei an einstigen Gulags. Unser Ziel ist Labytnangi, eine kleine Stadt, die an einem Seitenarm des Flusses Ob liegt.

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Cheljabinsk und der Stahl

Artikel vom 14. September 2011

Die Region um Chelabinsk ist vor allem wegen der Stahlproduktion und dem Maschinenbau die zur Zeit beste Wirtschaftsregion in Russland. Wir sind für viert Tage hier, habe in dier Zeit unter anderem den deutschen Stahlhändler Helge Siemer begleitet. Hier ein paar Impressionen von seinem Besuch im Rohrwalzwerk Cheljabinsk.

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Ein Teil der russischen Seele – Wodka!

Artikel vom 14. September 2011

Wir waren mitten im südlichen Uralgebirge in der Stadt Zlatoust in einer Wodkadestille. Jedes Jahr trinken die Russen durchschnittlich 10 Liter offiziell hergestellten Wodka zuzüglich 20 Liter illegal destillierten Wodka. Putin hat dem jetzt den Kampf angesagt. Alte traditionelle Marken werden wiederbelebt – wie jene aus Zlatoust. Sie sollen den Markt mit hochwertigem Wodka zurückerobern. Ob das gelingt bleibt fraglich. Denn die russische Regierung hat gleichzeitig beschlossen, den Preis für Wodka bis ins Jahr 2015 zu verdoppeln.

Wie auch immer, für den nächsten Monat lautet der Auftrag 250.000 Liter Wodka in Zlatoust zu produzieren.

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Das Uralgebirge und ein verlorenes Stativ

Artikel vom 14. September 2011

Kann man sein Kamerastativ verlieren ohne es zu merken? Und vor allem, ohne es wieder zu finden? Man kann.

Die Geschichte geht wie folgt:

Wir waren tief im Süden des Uralgebirges in dem kleinen Dorf Minjar. Nein, wildromantisch ist es dort nicht. Die örtliche Stahlwalzfabrik ist fast völlig am Boden, Neubauten wie in anderen Teilen Russlands sucht man hier vergebens. Aber es gibt einen Unternehmer, der versucht mit viel Elan die Fabrik wieder zum Laufen zu bringen. Nach den Dreharbeiten im Werk hat er uns in eine entlegene Berghütte eingeladen. Dorthin zieht er sich mit seinen Freunden zurück, wenn er für sich sein will, wenn er Abstand vom Alltag braucht. Es ist eine ganz einfach Hütte mit einer Banja. Geheizt wird mit Holz, die Kochstelle ist draußen unter Tannen.

Und die Anfahrt geht über einige Forstwege und viele Kilometer lang querfeldein. Durch tiefe Rinnen, ausgefahrene Schlammspuren und absolut unbefestigten Pisten. Dabei ist es passiert. Unser Allradfahrzeug hat alles wunderbar gemeistert. Nur von unserem Aufbau ist die Heckklappe aufgesprungen, das Stativ bei irgendeinem Schlagloch rausgeflogen. Gemerkt haben wir es erst, als wir an der Hütte waren. Eine intensive Suchaktion hat nichts gebracht.

Inzwischen haben wir ein neues Stativ bekommen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte…

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Togliatti und das Ladawerk

Artikel vom 9. September 2011

Es ist unglaublich, wie dicht und intensiv diese Filmreise ist. Es sind die Menschen, die wir treffen, die diese Reise (und damit auch den Film) zu einer ganz besonderen machen. Sie geben uns mehr an Geschichten, als wir je erwartet haben.Russland ist in einem Transformationsprozess. Wirtschaftlich wie gesellschaftlich. Die Globalisierung hinterlässt auch in dem größten Land der Erde deutliche Spuren, die mitunter sehr schmerzhaft sind.

Da ist die Stadt Togliatti mit dem Ladawerk. Noch 2009 haben dort 102.000 Menschen Autos hergestellt. Dann schlug die internationale Finanzkrise mit aller Härte zu. Das Werk drohte in der Versenkung zu verschwinden. Zu alt und unattraktiv die Produkte. Gigantisch die Schulden. Über 35.000 Arbeiter wurden entlassen. Sozialeinrichtungen wie Kindergärten, Erholungsheime und medizinische Abteilungen wurden abgestoßen. Die Jungen verlassen die Region, ziehen nach Moskau und St. Petersburg, hoffen dort auf eine aussichtsreiche Zukunft. Für die Stadt an der Wolga, die ganz auf den Automobilproduzenten ausgerichtet ist, fast ausschließlich von diesem lebt, war und ist dies ein enormer Schock, der auf lange Sicht noch wirken wird.

Die russische Staatsregierung versucht nun mit aller Macht diesen Zustand zu verändern. Ein Hightech-Park ist kurz vor der Vollendung, eine Sonderwirtschaftszone (mit Zollfreiheit und extrem niedrige Steuersätze) soll Investoren aus der ganzen Welt anlocken. Und Lada bringt (u.a. mit Hilfe von Renault) neue Modelle auf den Markt, die auf die Wünsche des russischen Kunden zugeschnitten sind.

Die Menschen erzählen uns darüber. Leute wie der Ladapräsident Komarov, einfache Arbeiter, Umweltschützer, Künstler, Akademiker. Niemanden scheint die Entwicklung kalt zu lassen. Aber nicht nur in Togliatti ist das so.

Es bleibt spannend. Tag für Tag, oft auch Stunde für Stunde.

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Astrachan: Tomaten, Kremel & Tartarenmarkt

Artikel vom 3. September 2011

Inzwischen habe wir Astrachan und das Wolgadelta verlassen, sind gen Togliatti aufgebrochen. Aber es bleibt von einigen Dingen zu berichten. Da ist der Tataren-Basar mitten in der Stadt. Wir hatten ihn ursprünglich gar nicht im Visier. Doch der Zufall hat es so gewollt. An einem der Abende trafen wir in unserem Hotel Professor Carlo Zaccagnin. Er hat sein Leben den Lebensformen und –umständen der letzten 4000 gewidmet, ist deshalb derzeit auf einem Streifzug durch das südliche Russland und den angrenzenden Staaten auf der anderen Seite des Kaukasus. Der alt-ehrwürdige Gelehrte aus Rom berichtete uns von seinem Besuch auf eben jenem Tartaren-Basar. Wir sollten früh morgens dort drehen. Da sei zwar noch nicht viel los, einige Stände in der Halle auch noch gar nicht besetzt. Wie jedoch die Metzger und die Frauen  der Fischer ihre Ware für den Verkauf herrichten würden, dies habe ihm sehr gefallen und sei sicherlich auch gut mit der TV-Kamera einzufangen.

So, wie der leidenschaftliche Professore es uns erzählt hat, so ist es auch kommen.

Später am Tag haben waren wir schließlich noch einmal im Wolgadelta unterwegs. Nicht die Wasserwege waren unser Ziel, sondern die Inseln. Denn dort werden auf besten Boden vor allem Tomaten und Wassermelonen angebaut. Mit großen Erfolgen. Selbst in den entfernten Städten Moskau und St. Petersbug schwärmt man von diesen Produkten aus der Astrachaner Gegend.

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