Monatsarchiv für März 2011

Belarus – der Schnitt beginnt

Artikel vom 26. März 2011

Nach den Dreharbeiten beginnt nun die finale Phase der Filmproduktion von “Geschichten und Gesichter aus Weißrussland” – der Filmschnitt. Peter Eichstädt hat wie in den letzten 6 Jahren die Musik komponiert und eingespielt, Torsten Zürn hat die digitalen Schnittmesser geschliffen, Matthias Kofahl hat unseren AVID mit all den gedrehten Bildern und Interviews gefüllt. Ablauf und Textfragmente stehen ebenfalls. Ein Tröpfchen Wodka aus Weißrussland ist bereitgestellt. Für seelige Momente, oder wenn einmal die Inspiration fehlen sollte.

Ich freue mich auf die kommenden Tage. Der Schnitt ist eine Menge Arbeit, aber für uns ist es wohl wieder ein Hochgenuß. Wir dürfen diese Dokumentation über das Alltagsleben in Belarus schneiden, wir müssen es nicht machen.Ein großartiges Gefühl!

Über die kommenden Tage werde ich an dieser Stelle berichten.

Weitere Berichte aus 20 Jahren Weltreise mit der MDR Kamera folgen dann im Anschluß. Bis Ostern gibt es die ausstehenden Berichte über die erste Filmexpedition aus dem Jahr 1991 Zum Dach der Welt sowie alle Geschichten und einige Fotos zur großen Canadareise im Jahr 1994 – Eskimos und Wolkenkratzer.

Abgelegt unter 20 Jahre Weltreisen,Geschichten und Gesichter aus Weißrussland

Zwischenruf in stürmisch-nuklearen Zeiten

Artikel vom 17. März 2011

Vor wenigen Tagen waren wir zusammen mit unserem belarussischen Kollegen Egor im Südosten Weißrusslands in der Stadt Gomel. Wir waren dort, weil wir eines der 14 Kinderheime besuchten, die für Kinder eingerichtet wurden, die an den Folgen von Tschernobyl leiden. 5000 Kinder und Jugendliche werden allein in dieser Einrichtung pro Jahr behandelt.

Egor, eigentlich ein sehr lebenslustiger und fröhlicher Mensch, war augenscheinlich sehr ruhig bei den Dreharbeiten. Es waren aber nicht nur die Augenblicke mit den behinderten und missgebildeten Kindern, die ihn verstummen ließen. Egor war vor 25 Jahren zufällig in dem Gebiet, das massiv vom Fall Out betroffen war. Er selbst ist zum Glück nicht krank geworden. Doch er weiß, dass sollte er Nachwuchs bekommen, dieser auch so sein könnte, wie all die Kinder, die wir in diesem Kinderheim gesehen haben.

Die Tschernobyl-Katastrophe ist ¼ Jahrhundert her. Und noch immer aktuell.

Nicht auszudenken, was Fukushima mit sich bringen wird.

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Und noch ein paar Fotos aus Weißrussland

Artikel vom 15. März 2011

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Bilder von den Dreharbeiten in Weißrussland

Artikel vom 15. März 2011

Die Dreharbeiten in Weißrussland sind alles in allem gut verlaufen. Wir haben filmen dürfen, wo auch immer wir wollten. Und wir haben viele offene Gespräche führen können. Unser Ziel war es, ein Bild vom Alltagsleben in diesem politisch schwierigen Land einzufangen – jenseits der Schlagzeilen, die wir aus den TV-Nachrichten kennen. Wir wollten wissen, wie die Menschen arbeiten, wie sie leben, was sie denken, wie ihre Kultur aussieht.

Natürlich waren wir gut behütet. Der immer noch agierende KGB war sicherlich bestens informiert. Aber unsere Arbeit wurde nirgendwo beeinträchtigt. Im Gegenteil, die Kollegen vom belarussischen Fernsehen BTRC haben uns ausgezeichnet unterstützt – vielen Dank an dieser Stelle!

Einige Dreh-Stationen seit dem letzten Blogeintrag waren diese: in Minsk die  große Markthalle, die große Oper & die Nationalbibliothek, vor den Toren der Hauptstadt ein kleines Skizentrum sowie die Textilfabrik Switanak und der Fahrzeughersteller BelAZ, in Soligorsk das Kalibergwerk (zweit größter Produzent von Kali weltweit) und in Mozyr die Erdölraffinerie. Die beiden letzten Werke gehören zum Tafelsilber des Landes und spielen bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes eine große Rolle. Schließlich folgten noch Dreharbeiten in Vitebsk, dem Geburtsort von Marc Chagall, und in Gomel.

Die Reportage läuft am Ostersonntag, 24. April 2011, um 18.05 Uhr im MDR TV.

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Weißrussland, Japan, Libyen – unermessliches Leid

Artikel vom 15. März 2011

Wir sind zurück aus Weißrussland, haben am Ende in einer Region gedreht, die vom Radar der Öffentlichkeit verschwunden war – und nun schlagartig zurück im Fokus der Weltöffentlichkeit steht. Nicht etwa, weil dort etwas aktuell passiert ist, sondern rund 9.000 km weiter östlich eine Katastrophe ihren Lauf nimmt.

Die Rede ist von der Region im Südosten Weißrusslands um die Stadt Gomel herum. Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor 25 Jahren ging ein massiver Fallout über diesen Landstrich nieder, verseuchte weite Gebiete, die noch heute gesperrt sind. Immer noch leiden viele Menschen unter den Folgen. Und es werden Kinder geboren, die Gendefekte haben und mit Schäden zur Welt kommen – geistig und körperlich behindert. In 14 Zentren in Weißrussland wird ihnen geholfen, so gut es eben geht.

Und nun das Erdbeben mit anschließendem Tsunamie und Super-Gau in Fukushima (Japan). Radioaktive Strahlung entweicht aus mindestens drei Reaktoren. Die Folgen sind noch nicht abzusehen. Zu wenig ist bekannt oder wird bekannt gegeben von offizieller Seite.

Nur so viel kann man jetzt schon sagen, das Leid der betroffenen Menschen ist und wird unermesslich sein.

Auch an einer anderen Stelle auf dieser Welt werden die Menschen in diesen Stunden allein gelassen. Der Weltsicherheitsrat hat in der vergangenen Nacht beschlossen, keine Flugverbotszone über den nordafrikanischen Staat Libyen zu verhängen. Das heißt im Klartext nichts anderes, als dass Diktator Ghaddafi nun freie Hand hat. Er wird den von Rebellen befreiten Osten des Landes mit seiner militärischen Übermacht zu Land und aus der Luft angreifen. Was dies vor allem für die zivile Bevölkerung bedeutet, mag man sich nicht ausdenken. Es ist zu befürchten, dass Ghaddafi mit aller Gewalt vorgehen wird. Und die Weltgemeinschaft schaut zu, hat die Hoffnung der Menschen bitter enttäuscht, kommt ihnen nicht zur Hilfe.



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