Monatsarchiv für Januar 2011

Teil 2 – Kurz vor dem Start zur ersten Filmreise

Artikel vom 26. Januar 2011

Für die Vorbereitungen blieb nicht wirklich viel Zeit. Das Kameraequipment musste zusammengestellt, Visa für den Iran und Pakistan besorgt werden. Das alleine war schon aufreibend genug und gelang nur deshalb, weil die Beamten in den entsprechenden Botschaften die Idee für abenteuerlich und zugleich lustig empfanden. Die Bearbeitungsfristen würden deshalb freundlich auf eine Minimum reduziert.

In meinem Freund Harald Hornig war  schnell ein geeigneter Reisepartner gefunden. Er verfügte über reichlich Erfahrung in Motorrad-Fernfahrten jenseits der europäischen Grenzen und kannte sich als Ingenieur bestens mit den Bikes aus.

Problematisch stellte sich das Verstauen der vielen Sachen dar, die wir gedachten, mit nach Asien nehmen zu wollen. Um es kurz zu machen, es war ein intensiver und teilweise brutaler Lernprozess. Wir hatten zwei Motorräder, sonst nichts Fahrbares, was irgendwie hätte etwas transportieren können. Die Kamera samt Stativ und weiterem Zubehör war gesetzt. Ersatzteile für die beiden Bikes und eine medizinische Erste-Hilfe-Ausrüstung ebenso.

Damit war das zu Verfügung stehende Packvolumen nahezu ausgeschöpft. Also mussten wir an anderer Stelle kräftig sparen. So blieb einem jeden von uns am Ende die folgende Mitnahmeliste: eine Jeans, ein Pullover, vier Unterhosen, vier T-Shirts, ein paar Socken. Mehr nicht. Zugegeben, zu diesem Zeitpunkt schien es mir noch nahezu unmöglich, so eine solche Reise zu bewältigen. Doch bei den folgenden Expeditionen und Ausflügen in die Welt sollte sich daran nichts mehr wesentlich ändern. Ich werde an anderer Stelle noch darüber berichten, wie man mit so wenig Bekleidungsstücken gut über die Runden kommt, wenn man nur die richtige Taktik anwendet.

Vier Tage vor dem Start ereilte mich noch eine deftige Mandelentzündung. Ein Antibiotikum half schnell, zumindest war ich pünktlich zum Start ohne Fieber und glaubte mich stark und fit genug, die lange Fahrt anzutreten.

Fortsetzung folgt

Abgelegt unter 20 Jahre Weltreisen

Wie alles anfing

Artikel vom 13. Januar 2011

Es war das Jahr 1990, der Sommer ging dem Herbst entgegen. Der MDR war noch nicht gegründet, geschweige denn auf Sendung.

Ich war in der Nähe von Zürich bei Ruedi, einem meiner besten Freunde. Es war seine Abschiedsfeier, hatte er doch beschlossen, mit Frau, Kind und Hund nach Karachi (Pakistan) zu ziehen. Die Jahre zuvor waren wir oft mit den Motorrädern durch Europa gezogen, nach Spanien und Portugal, über viele Alpenpässe, nach Italien und Frankreich.

Der Abend war so fröhlich, wie ein Abschied sein kann, wenn man sich für die freut, die in die Ferne ziehen und dort eine neue Welt entdecken können. Trauer kam auch auf, bei denen, die zurück blieben, vor allem bei den Eltern. In Vorinternetzeiten war Kommunikation in ein  solch entferntes Land noch schwierig und mühsam, manchmal für viele Tage auch unmöglich. Telefonleitungen brachen gern einmal zusammen und wurden erst Tage später geflickt. Und Briefe brauchten eine halbe Ewigkeit.

Just an diesem Abend wurde der Grundstein für 20 Jahre Weltreisen mit der MDR-Filmkamera gelegt. Denn angefangen hat alles mit einem Versprechen, gegeben am Ende dieses langen, wein- und bierseeligen Abend. Zu später Stunde rang Ruedi mir das Versprechen ab, sein Motorrad binnen Jahresfrist nach Karachi zu bringen.  Natürlich konnte ich dem Freund dies nicht abschlagen. Zu verlockend die Aussicht auf ein großes Abenteuer!

Ruedi und Familie flogen gen Asien, ich kehrte zum Bayerischen Rundfunk nach München zurück und wenig später zog ich als ARD-Beauftrager für das neue Bundesland Sachsen nach Leipzig und Dresden. Die Monate verstrichen, Ruedi ging seiner Tätigkeit als Entwicklungshelfer nach, ich berichtete für Tagesschau und Tagesthemen sowie der Rundschau des Bayerischen Rundfunks aus Sachsen – auch über ein Ereignis im August 1991.  Professor Udo Reiter wurde als Gründungsintendant gewählt. Und einen Tag später fragte er mich, ob ich nicht bleiben und die Fernseh-Nachrichtenredaktion mit aufbauen wolle.  Was für eine Chance! Natürlich nahm ich das Angebot an.

Doch ein paar Tage später erreichte mich ein Anruf von Ruedi. Das Jahr sei nun schon fast rum, sein Motorrad aber würde noch immer in Europa stehen. Wie es denn stünde um das gegebene Versprechen?

Was für eine Zwickmühle! Auf der einen Seite stand ich im Wort beim Freund, auf der anderen galt es den MDR aufzubauen. Bis zum Sendestart waren es ja nur mehr knappe vier Monate. Um es kurz zu halten, die neuen Chefs hatten ein Einsehen, ließen mich von dannen ziehen. Jedoch nur unter der Bedingung, dieses Abenteur auf zwei Rädern mit der Kamera festzuhalten. Und mehr als sechs Woche dürfe ich auch nicht brauchen! Mein Herz war befreit, die erste ganz große Überlandfahrt via Österreich, Italien, Griechenland, Türkei,  Iran nach Pakistan bis zur chinesischen Grenze auf 4800 m im Karakorum-Gebirge konnte beginnen.

Fortsetzung folgt

Abgelegt unter 20 Jahre Weltreisen