Monatsarchiv für Oktober 2010

Ein neuer Tag in Spitzbergen

Artikel vom 11. Oktober 2010

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Wärmeeinbruch in Longyearbyen & Abschied von 2 Expeditionsmitgliedern

Artikel vom 10. Oktober 2010

Vor wenigen Tagen war es noch bitterkalt, nun erleben wir es deutlich anders. Bei rund – 25 Grad waren wir in Station Nord gestartet. In Longyearbyen auf Spitzbergen angekommen sind wir bei für uns warmen + 2 Grad und Regen. So ein Wetter ist für diese Zeit ungewöhnlich.

Nun gut, die Wetterfrösche haben einen Umschwung vorhergesagt. Über Nacht soll es Schnee geben und ab morgen Dauerfrost. Wir werden es sehen und sowieso nehmen wie es kommt.

Reinhard und Jürgen haben uns heute verlassen. Jürgen muss zurück in sein Institut in Kopenhagen, Reinhard wird sich wieder seinem Hauptberuf (Richter in Vorarlberg) widmen. Schade ist das! Die beiden haben uns unheimlich gut unterstützt, waren enorm hilfsbereit und einfach grandiose Menschen!!! Ohne sie hätten wir den Expeditionsteil in Grönland und zum Nordpol hinauf nicht geschafft! Ich ziehe meinen Hut vor beiden und sage DANKE!

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Rückblick auf die Tage in Station Nord

Artikel vom 8. Oktober 2010

Rückblick auf die Tage in Station Nord

5 Mann stark ist die Truppe, die diesen dänischen Militärposten bildet. Fünf Mann – mehr nicht!  Jeder für 26 Monate am Stück in diese Einsamkeit abkommandiert, wo es keine Nachbarn gibt, keine Möglichkeit, mal eben in die nächstbeste Stadt zu fahren. Aufgrund eines Haager Gerichtsurteiles muss Dänemark hier oben im Nordwesten Grönlands  Präsenz zeigen, sonst fallen die territorialen Ansprüche weg. Also leben Ravn, Soren, Troels, Jesper und Tommy in dieser Abgeschiedenheit. Diesem Wort kommt hier völlige Bedeutung zu – Abgeschiedenheit. Die nächsten Nachbarn im Norden sind die Russen, mehr als 2500km entfernt. Zur nächsten Station in Grönland (Danmarkshavn) gibt es keine Straße, nicht einmal eine schmale Piste. Kein Schiff kann Station Nord erreichen, das Arktische Meer ist permanent von dicken Eisschollen bedeckt. Neun Monate dauert der Winter. Die Sonne verabschiedet sich von Mitte Oktober bis Mitte Februar, zwei Monate lang ist es während dieser Phase völlig dunkel. Dann herrscht Polarnacht.

Wie sieht ihr Alltag aus? Immer einer der fünf Soldaten ist für den Küchendienst zuständig, und zwar eine Woche lang. Frühstück um 8 Uhr in der Früh, Abendessen um halb sieben, Mittag macht jeder selbst. Nur wenn Gäste da sind, wird auch dieses vom diensthabenden Koch zubereitet.

Ein ganz besonderer Akt ist das samstägliche Dinner. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, welches besagt, dass man nur dann zu essen bekommt, wenn man eine Krawatte trägt. Darauf legen sie großen Wert, wohl wissend, dass die meisten Gäste, so es denn diese überhaupt gibt, ein solches Bekleidungsstück meist nicht dabei haben. Aber keiner will sich natürlich dieser Anordnung verweigern, also muss man Kreativität walten lassen. Was dabei herauskommt, ist zum einen auf den folgenden Fotos zu bestaunen, zum anderen werden die vermeintlichen Kunstwerke nach dem Essen eingesammelt und an eine Wand gehängt. Auch ein Exponat des dänischen Thronfolgers ist dort zu bestaunen. Ein Spaß ist es allemal, und den lassen sich die Männer von Station Nord nicht nehmen.

Die sonstigen Arbeiten sind zahlreich. Der Fuhrpark will immer einsatzbereit gehalten werden. Allerdings gehören nicht Panzer oder dergleichen zu der Ausstattung dieser militärischen Station, sondern vor allem je zwei Schneeschieber und Schneefräsen. Die 1800m lange Start und Landebahn will und muss nach jedem Schneefall oder heftigem Wind gereinigt werden. Zwar kommen nicht wirklich viele Flugzeuge vorbei (7 Versorgungsflieger), aber wenn die Schneemassen nicht kontinuierlich beseitigt werden, dann sind sie irgendwann nicht mehr kontrollierbar.

Zudem wollen die insgesamt 35 meist kleinen Gebäude instand gehalten werden. Kälte, Wind und Schnee nagen an der Substanz, was allerdings die fünf Soldaten nicht wirklich schrecken kann. Sie haben das Heft des Handelns in der Hand, mögen die Stürme kommen, wie sie wollen.

Alle sind sie speziell ausgesucht und ausgebildet. Wer zur Station Nord will, muss physische und psychische Stärken beweisen und eben über enorm viel handwerkliches Geschick verfügen.  Fast alle von ihnen haben Auslandseinsätze hinter sich, bevor sie in den eiskalten Norden geschickt werden, meist im Irak und in Afghanistan.

Zum Nordpol haben uns zwei Soldaten begleitet. Aus Neugierde, als willkommene Abwechslung. Und auch aus Fürsorge. Ravn und Jesper haben spezielle Überlebenstrainings für die Arktis absolviert.

Es war kein leichter Abschied von den Männer der Station Nord am Donnerstag. Alle waren mit zu unserem Flieger gekommen, halfen den eingefrorenen Flieger vom Eis zu befreien. Ravn, Soren, Troels, Jesper und Tommy werden uns in besonderer Erinnerung bleiben. Nicht nur, weil sie in extremer Umgebung ihren Dienst absolvieren. Nicht nur wegen ihrer grandiosen Hilfsbereitschaft und Unterstützung. Sondern auch wegen ihrer Herzlichkeit.

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Bilder vom Nordpolflug

Artikel vom 8. Oktober 2010

Und hier sind nun die Fotos von unserem Nordpolflug. Was uns alle tief beeindruckt hat, war das Farbenspiel der Natur. Am Anfang, nach einer Nacht mit Schneefall und heftigen Winden,  die Morgendämmerung mit letzten Wolkenfeldern. Wenig später die ersten Sonnenstrahlen, nicht von kräftiger Natur, sondern zart, fast pastell. Dann das Grau der Wolken, durch die wir fliegen mussten. Erst hell, später war es fast zu dunkel, um noch irgendetwas erkennen zu können. Kurz vor dem Nordpol schließlich die optische Erlösung. Klares Wetter und nun eine tief dunkelblaue Stimmung. Im Süden (wo wir gestartet waren) mit hellen Schattierungen, im anderen Süden (gen Russland) dagegen herrschte die Farbe der Nacht…

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Norpol geschafft – sind jetzt auf dem Flug von Station Nord nach Longyearbyen, 7. Oktober 2010

Artikel vom 7. Oktober 2010

Wir haben es geschafft, die erste ganz große Etappe ist gelungen. Am 5. Oktober um 13.06 Uhr waren wir exakt 90° Nord, sprich am geografischen Nordpol. Was war das dort für eine bizarre Lichtstimmung.  Unter uns das Eis in dunklen, blau-grauen Farben. Vor uns in Richtung Russland der schwarze Nachthimmel. Links, also dort, wo die nordkanadischen Inseln liegen, ein wenig heller die Farben am Horizont. Kein Sonnenstrahl mehr. Wohl in einer Woche wird hier am Nordpol endgültig die Polarnacht einkehren, alles nur noch dunkel sein.

Wir hatten Glück, unser Plan war aufgegangen. Das wenige Licht an diesem Tag reichte aus, um mit der Kamera alles zu dokumentieren. Glück, weil das Wetter mitgespielt hat. Minus 20 Grad beim Start und Sonnenschein. Zwar hatte es in den Nachtstunden zuvor viel geschneit, aber die Winde wehten heftig. So blieb nicht viel auf dem Flugzeug liegen. Die Vorhersage für die kommenden 8 Stunden war gut. Die Verhältnisse auf Station sollten stabil bleiben. Dies war sehr wichtig, denn Station Nord war der einzige Flughafen, den wir auf unserem Rückweg erreichten konnten. Für keinen anderen hätte der Sprit gereicht. Also mussten die Bedingungen stimmen. Und sie passten auch. 7 Stunden dauerte dieser sehr spezielle Tiefflug über das zugefrorene Arktische Meer. Es waren Stunden voller Spannung, Faszination, Staunen und tiefer Zufriedenheit.

Für den Augenblick soll es das gewesen sein. In eineinhalb Stunden werden wir in Longyearbyen auf Spitzbergen landen. Unsere Expedition geht weiter – durch Europas eiskalten Norden. Noch liegt ein weiter Weg im Tiefflug vor uns. Darüber werden wir berichten – und auch von den Tagen auf Station Nord.

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2. Oktober 2010 – Danmarkshavn

Artikel vom 3. Oktober 2010

Wir hatten das große Glück, diesen Tag in Danmarkshavn verbringen zu dürfen. Mit Finn, Britt, Ole, Robert, Per, Flemming, Willy – der Besatzung der Wetterstation. Konnten erleben, wie sie zweimal am Tag einen Wetterballon starten. Haben erfahren, wie diese Hütte im Zweijahresrythmus versorgt wird, wie sie sich medizinisch selbst versorgen, woher sie ihr Wasser beziehen (muss mit einem Unimog einmal im Monat von einem nahen See herbeigebracht werden), wie sie ihr alltägliches Leben organisieren. Und wie sie jeden Samstag zu einem ganz besonderen Tag machen. Dann gibt es ein besonderes Essen, Wein wird serviert und Greenland Coffee getrunken.

Und wir haben die Geschichte dieses Ortes erfahren, die im jahre 1906 begann. Damals kam eine dänische Expedition mit dem Schiff, überwinterte gleich mehrere Jahr, erkundete von hier aus die Küste nordwärts.

Selbiges werden wir morgen machen. Unser Ziel ist Station Nord. Noch ist offen, ob das Wetter es zulassen wird. Eine Schlechtwetterfront zieht heran. Schnee und tiefliegende Wolken. Nicht gut, wenn man fliegen will.

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Danmarkshavn, 1. Oktober 2010

Artikel vom 1. Oktober 2010

Wider Erwarten ist es mir möglich, hier ins Internet zu gehen. Unglaublich. Da sind wir vier Stunden über das Inlandseis geflogen, sind näher am Nordpol als an Island oder Nordnorwegen – und dann das.

Nun also Danmarkshavn, diese Wetterstation im Nordosten Grönlands. 7 Personen sind das ganze Jahr über hier, 7 mal kommt ein Flugzeug  vorbei, alle zwei Jahre ein kleines Frachtschiff. Danmarkshavn besteht aus einem großen Hauptgebäude, einem kleinen Gästehaus und einer Reihe ebenso kleiner Wirtschafts- und Forschungshäuschen. Morgen werden wir die Leute und ihr Leben portraitieren. Und natürlich an dieser Stelle berichten, eventuell sogar ein Videotagbuch produzieren.

Ich will den heutigen Tag mit einem Rückblick auf den Flug abschließen. Es ging über das nördliche Inlandseis. Wir sind fast durchgehend rund 600 Meter über Grund geflogen, so wollen es die Vorschriften. Bei Start war das Wetter schlecht, leichter Schneefall und sehr viele Wolken. Die erste Hälfte des Fluges war es nicht viel besser. Was dann aber folgte war einfach nur großartig. Ich denke die Bilder sprechen für sich.

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Abschied aus Qaanaaq

Artikel vom 1. Oktober 2010

Unsere Zeit in Qaanaaq geht dem Ende entgegen. Und es scheint fast so, dass der Abschied morgen früh so wird wie unsere Ankuft – das Wetter soll schlecht werden.Unsere Piloten kann das nicht schocken. Für sie ist viel wichtiger, wie die Bedingungen an unserem Zielort Danmarkshavn sind. Und da sind die Vorhersagen vielversprechend.

Wann wir wieder einen Zugang zum Internet haben ist sehr ungewiss. Danmarkshavn und Station  Nord sind nur kleine Stationen, einen normalen Zugang zum weltweiten Netz wird es dort nicht geben. Mal sehen, vielleicht können wir uns per Satellit melden. Wenn nicht, wird es nach Plan bis zum 8. Oktober dauern. Dann erreichen wir Spitzbergen und von dort sollte es wieder einen Zugang geben.

Zuvor aber wollen wir von Station Nord aus versuchen, im Tiefflug den Nordpol zu erreichen. Das wird allerdigs nur gelingen, wenn das Wetter mitspielt.

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